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Begleitung BMVBS-Forschungsprojekt Schnittstelle Gehweg/Straße

Projektziel

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) hat ein Forschungsvorhaben zu barrierefreien Querungsstellen an Hauptverkehrsstraßen aufgenommen, das im Jahr 2011 begann und bis zum Jahr 2013 andauerte. Dieses Forschungsprojekt wurde angeregt vom Arbeitskreis „Barrierefreie Verkehrsanlagen" der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV). Träger des Forschungsvorhabens waren die Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen (STUVA) und die Fachhochschule Erfurt - Institut Verkehr und Raum. Der Bericht der STUVA über das Forschungsvorhaben und der Bericht des Instituts Verkehr und Raum der Fachhochschule Erurt über das Forschungsvorhaben sind online zugänglich.

Ziel des BKB-Projektes war, das Forschungsvorhaben im Interesse der Behindertenverbände gleichberechtigt, behinderungsübergreifend und qualifiziert zu begleiten. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass die aufgeworfenen Fragestellungen durch entsprechende Recherche und Auswertung vorhandener Literatur sowie bereits erfolgter Praxistests und Feldversuche - aber auch durch Kontaktaufnahme mit der Industrie - qualifiziert behandelt und in das Projekt eingebracht werden können.

Projektergebnisse

Der erste Teil des Projektes bestand im Wesentlichen in der Durchführung einer bundesweiten Umfrage unter blinden und sehbehinderten Menschen im Jahr 2012.

Folgende Teilnahmemöglichkeiten wurden eröffnet:

  • Unter der Adresse www.bordsteinumfrage.dbsv.org konnte der Fragebogen vom 14. Januar 2012 bis 29. Februar 2012 barrierefrei unter Nutzung der üblichen Hilfsmittel ausgefüllt werden.
  • Die Ausgabe der Zeitschrift "Gegenwart" 2/2012 des DBSV enthielt für die Punktschriftleser auch eine Punkschriftausgabe dieses Fragebogens. Die Antworten konnten später in einer telefonischen Befragung übermittelt werden.
  • Der Gegenwartausgabe lagen auch der Fragebogen für sehbehinderte Leser und ein Briefumschlag für die Rückantwort an das Ingenieurbüro für Systemberatung und Planung (ISUP GmbH) in Dresden bei, die die Befragung durchführte. Das Rückporto wurde von der ISUP GmbH übernommen.
  • Der Fragebogen war auf der DBSV-Inform-Ausgabe 2/2012 im Buch 24 als Audioformat enthalten.
  • Unter der E-Mail-Adresse bordsteinumfrage@dbsv.org und den Telefonnummern 030-285387190 (DBSV, Herr Peter) oder 0351-8510729 (ISUP, Herr Pfeil) konnten Interessenten ihre Telefonnummer für eine spätere telefonische Befragung hinterlassen, Verständnisschwierigkeiten klären und Fragen stellen.

Insgesamt 1.384 Antworten waren auswertungsfähig. Sie kamen aus nahezu jedem Postleitzahlbezirk Deutschlands und wurden in etwa gleicher Anzahl von Frauen und Männern ausgefüllt. Ca. 62 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren blind, 27 % hochgradig sehbehindert und 11 % sehbehindert.

Am 13. November 2012 fand in der Studiengesellschaft für unterirdische Verkehrsanlagen e. V. (STUVA) in Köln ein Fachforum im Rahmen des Projektes statt. Die Ergebnisse dieses Workshops finden Sie in dem Bericht zum Fachforum (Word-Datei, 24 KB).

Die Diskussionen wurden auf einem Workshop am 5. März 2013 fortgeführt, auf dem unter anderem auch die Ergebnisse aus den Probandentests erörtert wurden. Das Gesamtprojekt endete planmäßig im Jahr 2013.

Hintergrund

Deutschlandweit gilt eine Bordabsenkung mit 3 cm hohem Auftritt zwischen Fahrbahn und Gehweg an Querungsstellen als Kompromiss zwischen den Ansprüchen blinder und sehbehinderter Menschen sowie den Bedürfnissen der Nutzer von Rollstühlen bzw. Rollatoren. Es bleibt aber offen, ob der 3 cm hohe Bordstein von blinden und sehbehinderten Menschen ausreichend sicher erkannt und identifiziert und von Rollstuhl- und Rollator-Nutzern problemlos bewältigt werden kann. Nicht untersucht ist bisher auch die Frage, wie die Bordkante bezüglich Ausrundung und Neigung auszubilden ist, um für beide Gruppen einen akzeptablen Kompromiss darzustellen.

Bodenindikatoren sind ein weiteres zentrales Element barrierefreier Querungsstellen. Sie dienen blinden und sehbehinderten Menschen als Orientierungshilfe u. a. zum Auffinden von Querungsstellen, der Anzeige der Querungsrichtung über die Fahrbahn sowie zur Warnung vor Bordabsenkungen im Bereich 3 cm bis hin zur Absenkung auf Fahrbahnniveau. Je nach Einsatz vermitteln sie den Betroffenen auch sicherheitsrelevante Informationen. Allerdings ist die Auswirkung von Bodenindikatoren auf die Fortbewegung von gehbehinderten Menschen bislang noch ungeklärt.

Unabhängig von ihrem Einsatzort werden dabei die unterschiedlichsten Strukturen und Materialien verwendet, ohne dass bezüglich der Wahrnehmbarkeit und Erkennbarkeit durch die Betroffenen ausreichend belastbare empirische Untersuchungen vorliegen. Die geltende DIN zu Bodenindikatoren hat sich diesbezüglich als unzureichend herausgestellt. Infolge der demographischen Entwicklung (zunehmende Zahl mobilitätseingeschränkter Personen) erhält die Frage der Wahrnehmbarkeit und Erkennbarkeit unterschiedlicher Bodenindikatorstrukturen noch zusätzliche Bedeutung, weil erst über deren Beantwortung auch die Frage nach der Breite und konkreten Ausgestaltung von speziellen Querungsstellen für Rollstuhl- und Rollator-Nutzer beantwortet werden kann.

Träger des Projektes

  • Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) sowie
  • Institut für barrierefreie Gestaltung und Mobilität (IbGM)

Laufzeit

01.01.2011 bis 31.12.2012, Restarbeiten in 2013