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Pilot-Schulung "Leichte Sprache"

Hintergrund

Seit etwa 12 Jahren gibt es in Deutschland das Konzept der Leichten Sprache. Die Idee wurde gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt und weiter verbreitet. Leichte Sprache ist besonders für Menschen mit Lernschwierigkeiten eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Denn nur, wer über die notwendigen Informationen verfügt, kann selbstbestimmt Entscheidungen über das eigene Leben treffen.

In den letzten Jahren hat die Leichte Sprache durch die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen immer mehr Bedeutung gewonnen. Gerade vor dem Hintergrund der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen haben die Forderungen nach einem Zugang zu verständlichen Informationen in allen gesellschaftlichen Bereichen zusätzlich Gewicht gewonnen. Immer mehr öffentliche Stellen, Parteien, Vereine und Firmen müssen oder wollen Informationen in Leichter Sprache zur Verfügung stellen. Daher sind immer mehr Übersetzungen in Leichte Sprache gefragt. Auch die Novellierung der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BITV) wird die Leichte Sprache stärker berücksichtigen.

Ziel

Für gute Übersetzungen in Leichte Sprache braucht man zum einen gut ausgebildete Teams von ÜbersetzerInnen. Zum anderen – und das wird leider häufig vergessen – benötigt man PrüferInnen. Leichte Sprache ist ohne Prüferinnen und Prüfer mit Lernschwierigkeiten nicht denkbar. Denn nur die betroffenen Menschen selbst können letztendlich beurteilen, ob ein Text gut verständlich ist.

Aber gerade im Bereich der Prüfung gibt es noch viele Schwierigkeiten und offene Fragen:

  • Es gibt noch keine allgemeingültigen Standards für die Prüfung/für PrüferInnen.
  • Es gibt kaum Schulungen zur Übersetzungsprüfung für Menschen mit Lernschwierigkeiten.
  • Die Finanzierung solcher Schulungen ist kompliziert:
    Menschen, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten, können oft nicht die Gebühr für eine Schulung bezahlen. Oft wissen sie auch gar nicht, dass das Prüfen auf Leichte Sprache durchaus ein Arbeitsfeld für Menschen mit Lernschwierigkeiten werden könnte, wenn sie etwa in Zukunft in Übersetzungsbüros mitarbeiten.

Deshalb möchte der Projektträger, die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V. (ISL), Standards für Prüfungen und PrüferInnen erarbeiten sowie eine Pilot-Schulung für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickeln und durch­führen, der sie zu Prüferinnen und Prüfern für Leichte Sprache qualifiziert.

Die Pilot-Schulung wird an drei Wochenenden mit 7 Menschen mit Lernbehinderung durchgeführt. Am ersten der drei Wochenenden stehen den 7 Menschen mit Lernbehinderung noch jeweils ein/e Unterstützer/in zur Seite. Die Erfahrungen, die die 7 Personen während der Pilot-Schulung machen, werden dann in der abschließenden Auswertung zusammengefasst. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die Menschen mit Behinderung entscheidenden Einfluss auf das Projektergebnis haben.

Projektergebnisse

Am 27. und 28. Juni 2011 gab es ein erstes Experten-Treffen für das Thema Prüfen. Mitglieder aus dem Netzwerk "Leichte Sprache" haben zusammen mit "Mensch zuerst" Ideen gesammelt:

  • Wie müssen Schulungen für Prüferinnen und Prüfer sein?
  • Wie soll der Lehrplan für die Schulungen aussehen?
  • Wie kann man gute Materialien für den Kurs machen?

Die Teilnehmer des Workshops stehen vor dem Büro des ZSL Kassel.

© Ricarda Kluge, Mensch zuerst

Ende Oktober 2011 fand der 2. Termin der Schulung für Prüferinnen und Prüfer von Leichter Sprache statt. Im Mittelpunkt standen diesmal die Vertiefung der Regeln und sehr viel praktische Übungen. Die Details dazu finden Sie im Projektbericht (nicht barrierefreie PDF, 6 MB).

Sie haben Interesse an einer Schulung? Wenden Sie sich einfach an das BKB (siehe unter Kontakt). Mehr Infos über das Projekt gibt es auch bei Mensch zuerst.

Gesamtüberblick Projekte 2011