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Pilot-Schulung "Leichte Sprache"

Projektziel

Für gute Übersetzungen in Leichte Sprache braucht man zum einen gut ausgebildete Teams von ÜbersetzerInnen. Zum anderen – und das wird leider häufig vergessen – benötigt man PrüferInnen. Leichte Sprache ist ohne Prüferinnen und Prüfer mit Lernschwierigkeiten nicht denkbar. Denn nur die betroffenen Menschen selbst können letztendlich beurteilen, ob ein Text gut verständlich ist.

Aber gerade im Bereich der Prüfung gibt es noch viele Schwierigkeiten und offene Fragen:

  • Es gibt noch keine allgemeingültigen Standards für die Prüfung/für PrüferInnen.
  • Es gibt kaum Schulungen zur Übersetzungsprüfung für Menschen mit Lernschwierigkeiten.
  • Die Finanzierung solcher Schulungen ist kompliziert:
    Menschen, die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten, können oft nicht die Gebühr für eine Schulung bezahlen. Oft wissen sie auch gar nicht, dass das Prüfen auf Leichte Sprache durchaus ein Arbeitsfeld für Menschen mit Lernschwierigkeiten werden könnte, wenn sie etwa in Zukunft in Übersetzungsbüros mitarbeiten.

Deshalb sollten Standards für Prüfungen und PrüferInnen erarbeitet sowie eine Pilot-Schulung entwickelt und durchgeführt werden. Darin sollten Menschen mit Lernschwierigkeiten zu Prüferinnen und Prüfern für Leichte Sprache qualifiziert werden.

Projektergebnisse

Am 27. und 28. Juni 2011 gab es ein erstes Experten-Treffen für das Thema Prüfen. Mitglieder aus dem Netzwerk "Leichte Sprache" haben zusammen mit "Mensch zuerst" Ideen gesammelt:

  • Wie müssen Schulungen für Prüferinnen und Prüfer sein?
  • Wie soll der Lehrplan für die Schulungen aussehen?
  • Wie kann man gute Materialien für den Kurs machen?

Die Teilnehmer des Workshops stehen vor dem Büro des ZSL Kassel.

© Ricarda Kluge, Mensch zuerst

Ende Oktober 2011 fand der 2. Termin der Schulung für Prüferinnen und Prüfer von Leichter Sprache statt. Im Mittelpunkt standen diesmal die Vertiefung der Regeln und sehr viel praktische Übungen.

Aus diese Weise entstand ein Lehrplan für die Ausbildung von PrüferInnen von Leichter Sprache. Anfragen zur Durchführung von Schulungen können an info@menschzuerst.de gestellt werden.

Hintergrund

Seit etwa 12 Jahren gibt es in Deutschland das Konzept der Leichten Sprache. Die Idee wurde gemeinsam mit Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt und weiter verbreitet. Leichte Sprache ist besonders für Menschen mit Lernschwierigkeiten eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine selbstbestimmte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Denn nur, wer über die notwendigen Informationen verfügt, kann selbstbestimmt Entscheidungen über das eigene Leben treffen.

In den letzten Jahren hat die Leichte Sprache durch die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen immer mehr Bedeutung gewonnen. Gerade vor dem Hintergrund der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen haben die Forderungen nach einem Zugang zu verständlichen Informationen in allen gesellschaftlichen Bereichen zusätzlich Gewicht gewonnen. Immer mehr öffentliche Stellen, Parteien, Vereine und Firmen müssen oder wollen Informationen in Leichter Sprache zur Verfügung stellen. Daher sind immer mehr Übersetzungen in Leichte Sprache gefragt. Auch die Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BITV) berücksichtigt die Leichte Sprache.

Träger des Projektes

Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V. (ISL) in Zusammenarbeit mit Mensch zuerst e. V.

Laufzeit

01.01. bis 31.12.2011