Sie sind hier: Startseite > Barrierefrei arbeiten > Barrierefrei arbeiten: Das Projekt

Barrierefrei arbeiten

Eine Aufklärungskampagne zur Barrierefreiheit von Arbeits- und Ausbildungsstätten

In diesem Projekt geht es darum, Unternehmen in Deutschland für eine Strategie zu gewinnen, ihre Arbeits- und Ausbildungsstätten grundsätzlich barrierefrei zu planen und zu gestalten.
Schritte zum Ziel

Das oben geschilderte Ziel soll duch folgende Schritte erreicht werden:

  1. Veröffentlichung von guten Beispielen der Herstellung von Barrierefreiheit in Arbeits- und Ausbildungsstätten
  2. Prägnante und praxisnahe Aufbereitung von Informationsmaterialien (zum Beispiel Handreichung) für Arbeitgeber
  3. Konzeption, Organisation und Durchführung von vier Veranstaltungen zur Sensibilisierung und Information von Arbeitgebern über die barrierefreie Gestaltung von Arbeits- und Ausbildungsstätten
  4. Erstellen eines Konzepts für die Beratung von Unternehmen für die Umsetzung einer Strategie der grundsätzlich barrierefreien Gestaltung von Arbeits- und Ausbildungsstätten

Zeitrahmen

1. Juli 2013 bis 31. Dezember 2015 (30 Monate)

Finanzierung

Das Projekt wird aus dem Ausgleichsfonds finanziert.

Lenkungsausschuss

Gesteuert wird das Projekt von einem Lenkungsausschuss.

Hintergrund

Für die bauliche Gestaltung von Arbeitsstätten sehen die meisten Landesbauordnungen Anforderungen der Barrierefreiheit nur für den öffentlich zugänglichen Bereich baulicher Anlagen, also gerade nicht für Arbeitsstätten vor. Eine Barrierefreiheit des gesamten Gebäudes – also einschließlich der nicht öffentlich zugänglichen Bereiche – ist in vielen Bundesländern nur bei speziellen Arbeits- und Ausbildungsstätten für Menschen mit Behinderungen, wie beispielsweise Werkstätten für behinderte Menschen, vorgesehen.

Darüber hinaus ist in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein Großteil der öffentlichen Arbeitgeber verpflichtet, ihre Intranetangebote (und nicht nur ihre Internetangebote) barrierefrei zu programmieren und zu gestalten und damit für eine barrierefreie Kommunikation an den Arbeitsplätzen zu sorgen.

Die auf der Grundlage des Arbeitsschutzgesetzes erlassene Arbeitsstätten-Verordnung - die neben den eben genannten Vorgaben gilt – verlangt für den Arbeitsschutz keine grundsätzlich barrierefreie Gestaltung der Arbeits- und Ausbildungsstätten, sondern sieht im Fall der Beschäftigung eines behinderten Menschen eine nachträgliche Anpassung auf die Bedürfnisse des Beschäftigten vor.

Eine grundsätzlich barrierefreie Gestaltung versteht sich insbesondere in Abgrenzung zu diesem Ansatz der Arbeitsstätten-Verordnung. Sie will Arbeitgeber davon überzeugen, dass es sinnvoll ist, Arbeitsstätten unabhängig davon, ob ein behinderter Mensch beschäftigt wird, nach und nach barrierefrei zu gestalten.

Das Projekt zielt dabei nicht auf eine Rechtsänderung, sondern im Wege der Bewusstseinsbildung auf eine andere Einstellung der Unternehmen zur Frage der barrierefreien Gestaltung von Arbeits- und Ausbildungsstätten.

Aus der veränderten Einstellung sollen mittelfristig Umsetzungsmaßnahmen von Unternehmen zur Herstellung von Barrierefreiheit in ihren Betrieben folgen. Diese sind selbst aber nicht Gegenstand des Projektes.

Barrierefreiheit wird dabei als Prozess verstanden. Unternehmen - wie auch alle anderen Akteure, die Barrierefreiheit umsetzen – werden bei Veränderungen mit den Bereichen beginnen, die für sie besonders interessant sind und bei denen sie mit möglichst wenig Aufwand barrierefreie Lösungen erreichen können.

Gerade weil das so ist, ist es wichtig, Barrierefreiheit zur grundsätzlichen Strategie zu erheben, damit nicht unverbundene – und damit letztlich nicht barrierefreie - Einzellösungen geschaffen werden, sondern damit zielgerichtet in einem langfristigen Prozess die Barrierefreiheit kontinuierlich und dauerhaft verbessert wird.

Damit das gelingt, muss Barrierefreiheit in den Entscheidungsfindungsprozessen von Unternehmen zeitgleich und gleichberechtigt mit den übrigen Unternehmensinteressen berücksichtigt werden und darf nicht erst im Nachhinein – nachdem Unternehmens-Entscheidungen bereits getroffen wurden – nachgebessert werden. Auch dann kann es sein, dass sich dennoch im einzelnen Fall eine an sich wünschenswerte barrierefreie Gestaltung nicht realisieren lässt. Das zeigt das Wort „grundsätzlich“ an.

Abgesehen vom Prozess-Charakter wird Barrierefreiheit entsprechend den Definitionen in den Behindertengleichstellungsgesetzen des Bundes und der Länder verstanden. Diese Definitionen bedürfen der Konkretisierung. Im Projekt wird dabei grundsätzlich von der Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR V3a.2 „Barrierefreie Gestaltung von Arbeitsstätten“ ausgegangen. Die Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) hat darüber hinaus einen Online-Leitfaden „Barrierefreie Arbeitsstätten planen und gestalten“ herausgegeben. Wo es aufgrund der Zwecksetzung des Projektes erforderlich ist, werden diese Regeln im Projekt ergänzt.

Aufgabe des Projektes wird es aber vor allem sein, diese Regeln praxisnah und möglichst prägnant im Sinne einer Hilfestellung für Unternehmen zu veranschaulichen. Für die Projektbearbeitung ist dabei die Einbeziehung von Unternehmen entscheidend, damit nicht am Ende Produkte an deren Bedürfnissen vorbei erstellt werden. Das hat notwendigerweise eine gewisse Offenheit des Projektes zur Folge.

Schon heute gestalten einzelne Unternehmen ihre Arbeits- und Ausbildungsstätten – jedenfalls in Teilen der Arbeitsstätten, etwa bei der Softwaregestaltung oder bei Neubauten - grundsätzlich barrierefrei. An diese Ansätze möchte das Projekt anknüpfen. Angesichts des demographischen Wandels werden sich Unternehmen bei der Gestaltung von Arbeitsstätten verstärkt auf die Bedürfnisse einer älter werdenden Belegschaft einstellen müssen. Damit gewinnt die barrierefreie Gestaltung von Arbeits- und Ausbildungsstätten an Bedeutung. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels kann eine grundsätzlich barrierefreie Gestaltung der Arbeits- und Ausbildungsstätten auch zur Sicherung des Arbeitskräftebedarfs beitragen.

Eine barrierefreie Gestaltung kommt nicht nur Menschen mit Behinderungen zu Gute. Dies wird häufig mit der Formel zum Ausdruck gebracht, dass Barrierefreiheit für etwa 10 % der Bevölkerung zwingend erforderlich, für etwa 30 bis 40 % notwendig und für 100 % komfortabel ist. Für den Bereich der barrierefreien Arbeitsplatzgestaltung wird als allgemeiner Nutzen hervorgehoben, dass die Arbeitserledigung einfacher, leichter und damit auch sicherer und komfortabler wird. All das führe in der Tendenz bei allen Beschäftigten zu einer höheren Motivation und Leistungsbereitschaft, diene der Gesundheitsvorsorge und helfe Unfälle zu vermeiden. Für Menschen mit Behinderungen kommt hinzu, dass die Schwelle für ihre Einstellung sinkt. Bei einer barrierefreien Arbeitsstättengestaltung entfällt nämlich der zusätzliche Zeit- und Organisationsaufwand für nachträgliche Anpassungs- oder Umbaumaßnahmen, der schwerbehinderte gegenüber nicht beeinträchtigten Bewerber/innen strukturell benachteiligt.

Das Projekt ist auch ein Beitrag zur Umsetzung der Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen der Vereinten Nationen (Behindertenrechtskonvention – BRK). In Artike 27 Absatz 1 BRK heißt es:

Die Vertragsstaaten anerkennen das gleiche Recht von Menschen mit Behinderungen auf Arbeit; dies beinhaltet das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt durch Arbeit zu verdienen, die in einem offenen, integrativen und für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Arbeitsmarkt und Arbeitsumfeld frei gewählt oder angenommen wird.

Schließlich will das Projekt Artikel 4 Absatz 3 BRK gerecht werden, der eine aktive Einbeziehung von Menschen mit Behinderung über die sie vertretenden Organisationen bei der Ausarbeitung und Umsetzung von politischen Konzepten zur Durchführung des Übereinkommens verlangt. Das sind in diesem Zusammenhang vor allem die Schwerbehindertenvertretungen.

Das Projekt geht über die von den Integrationsämtern schon bisher erbrachten Beratungsleistungen hinaus.

Eine der Hauptaufgaben der Integrationsämter ist die Durchführung von begleitenden Hilfe im Arbeitsleben (§ 102 Absatz 1 SGB IX). So können die Integrationsämter zum Beispiel an Arbeitgeber Geldleistungen

… zur behindertengerechten Einrichtung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen für schwerbehinderte Menschen …

erbringen (§ 102 Absatz 3 Satz 1 Nummer 2 Buchstabe a) SGB IX). Diese Geldleistungen sind auf die Beschäftigung eines konkreten schwerbehinderten Menschen bezogen, also nicht auf eine barrierefreie Gestaltung der Arbeitsstätten unabhängig von der Beschäftigung eines schwerbehinderten Menschen.

Darüber hinaus können die Integrationsämter Aufklärungs-, Schulungs- und Bildungsmaßnahmen erbringen (§ 102 Absatz 3 Satz 2 SGB IX). So bieten Integrationsämter zum Beispiel auch Seminare zur „behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung“ an. Als Lernziel wird bei einem derartigen Schulungsangebot - das hier zur Veranschaulichung angeführt wird - formuliert: Grundlagen der behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung sowie Fördermöglichkeiten kennenzulernen.

Das Beispiel zeigt: Die Integrationsämter beraten individuell in Bezug auf die Beschäftigung einer konkreten Person zur „behinderungsgerechten Arbeitsgestaltung“. Das BKB-Projekt will Grundlagen für eine Beratung unabhängig von konkreten Beschäftigten erarbeiten, nämlich zur „barrierefreien“ Arbeitsstättengestaltung.

Es soll aber eine der Aufgaben des Projektes sein, nach Möglichkeit in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen auszuloten, ob und wenn ja inwiefern die im Rahmen des Projektes erarbeiteten Ergebnisse und Dokumente für die Beratungsleistung der Integrationsämter genutzt werden können.

Auch Berufsgenossenschaften bieten unter Präventionsgesichtspunkten Veranstaltungen und Beratungen zur barrierefreien Gestaltung von Arbeitsplätzen an. Sie sollen deshalb ebenfalls für eine Mitarbeit im Projekt gewonnen werden.